Die Geschichte des Bruno-Plache-Stadion
 
Technische Daten:

Anschrift: Connewitzer Str. 21 | 04289 Leipzig
Heimmannschaft: 1. FC Lokomotive Leipzig
Eröffnet: 1922
Kapazität: 15.600 Plätze, davon 2.450 Sitzplätze (1.214 überdacht)
Ausstattung: Flutlicht (1997 erbaut), LED - Anzeigetafel

Die Person Bruno Plache:

Bruno Plache (*1908; †1949) war ein deutscher Arbeitersportler und Abgeordneter der KPD im Leipziger Stadtparlament.

Er nahm 1928 an der 1. Spartakiade in Moskau teil. Dies begründete seinen Ausschluss aus der SPD, der er bis dahin angehört hatte, sowie seinen Eintritt in den Rotsport der KPD. 1945 wurde der ehemalige KZ-Häftling zum Direktor des Sportamtes Leipzig ernannt. Bruno Plaches Grab findet sich im Ehrenhain der antifaschistischen Widerstandskämpfer auf dem Leipziger Südfriedhof.

An den Namen Bruno Plache erinnern unzählige Schulen und Straßen im Gebiet der ehemaligen DDR sowie die Spielstätte des 1. FC Lokomotive Leipzig (des früheren VfB Leipzig), das Bruno-Plache-Stadion.

Eine kleine Anekdote am Rande: In der ehemaligen Leipziger Bruno-Plache-Schule in der Höltystraße mussten die Schüler im Sportunterricht "Blau-Gelb" tragen, da im Bruno-Plache-Stadion der Blau-Gelbe 1. FC Lokomotive zu Hause ist.

Zur Person Bruno Plache finden Sie eine 6-Seitige Ausarbeitung aus den 1990er Jahren (genaue Datierung unbekannt) als PDF (74kb) oder Word (42kb).

Die Geschichte des Bruno-Plache-Stadion:

Das Bruno-Plache-Stadion, 1949 benannt nach dem Arbeitersportfunktionär Bruno Plache ist der Austragungsort der Heimspiele des 1. FC Lokomotive Leipzig. Es befindet sich in Leipzig-Probstheida in Sichtweite zum Völkerschlachtdenkmal und fasst offiziell 15.600 Besucher.

Das Stadion hieß vor 1949 Probstheidaer Stadion, wurde in Medien aber meist VfB-Stadion genannt.

Es war bei seiner Eröffnung 1922 mit einem geplanten Fassungsvermögen von 40.000 Zuschauern das größte Vereins-Stadion Deutschlands.

Die 1932 errichtete Holztribüne ist noch heute in Betrieb und weitestgehend im Originalzustand erhaltenen. Wahrscheinlich ist sie damit das bedeutendste architektonische Beispiel in Deutschland für eine große Stadiontribüne jener Zeit.
1920 bis 1945

Wie andere namhafte Vereine strebte der VfB Leipzig den Bau eines eigenen Stadions an. Dazu erwarb man Ende 1920 80.000 qm Gutsbesitz in Probstheida. Der Verein ließ hier ein Stadion für 40.000 Zuschauer errichten - in Deutschland bis dahin ohne Beispiel. Es gab eine kleine Tribüne mit 800 Plätzen und eine Laufbahn ums Spielfeld. Der Zuschauerwall war als Graswall ausgelegt, ähnlich der heutigen Festwiese am Zentralstadion

Das VfB-Stadion wurde mit einer Festwoche vom 5.-13. August 1922 eingeweiht. Zur Premiere kamen 50.000 Zuschauer, dabei besiegte der Hamburger SV den Gastgeber VfB mit 3:2. Innerhalb der Festwoche ließ der DFB das zweite Endspiel der Deutschen Meisterschaft zwischen 1. FC Nürnberg und dem HSV austragen, bei dem ca. 50-60.000 Zuschauer zugegen waren.

1932 wurde die überdachten Holztribüne ausgebaut, die einen Großteil der Westgerade einnimmt. Sie ist heute die wahrscheinlich größte im Originalzustand erhaltenen und in Funktion befindliche Holztribüne aus jener Zeit in Deutschland. Zusätzlich wurden die Dämme verbreitert - Voraussetzung für das Länderspiel gegen die Schweiz am 6. März 1932 vor 50.000 begeisterten Zuschauern.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1935 zerstörte ein Unwetter Teile der Tribüne und das Südtor.

Nach dem Luftangriff vom 6. April 1945 auf Leipzig wurden gesammelte Leichen ohne Sargumhüllung auf den VfB-Sportplatz gelegt, da auf dem Südfriedhof kein Platz mehr war. Hier lagen sie viele Tage bei Regen und Sonnenschein. Ein fürchterlicher Leichengeruch verpestete die Gegend. (Tagebuch Arno Kapp).

Das Probstheidaer Stadion blieb Eigentum des VfB bis zu dessen Auflösung 1945.

Ab Mai 1946 diente das Stadion Volkssportveranstaltungen, am 4. Juli 1948 einem der ersten großen Sportfeste der SBZ (später DDR). Bei einem Feldhandballspiel zwischen Rostock und Weißenfels waren 50.000 Zuschauer zugegen.

Wegen dem III. Parlament der Freien Deutschen Jugend zu Pfingsten 1949 wurden weitere Kriegsschäden beseitigt und das nun nach Bruno Plache umbenannte Stadion modernisiert. Das betraf vor allem den vorhandenen Rasendamm, in den die bis heute vorhandenen erdhinterfüllten Betonkanten-Stehtraversen eingebaut wurden. 70.000 Zuschauer waren dann bei der FDJ-Sportschau im total überfüllten Stadion dabei - der absolute Besucherrekord.

Einen weiteren Höhepunkt brachte der 7. Mai 1952, als die Friedensfahrt der Radsportler erstmals durch die DDR führte. Das seit Wochen ausverkaufte Stadion (55.000 Besucher) war dabei ein Etappenziel. Auch Chemie Leipzig wich bei wichtigen Spielen nach Probstheida aus.

Die ganz großen Fußballspiele erlebte das Bruno-Plache Stadion aber selten, da der 1. FC Lokomotive Leipzig seine Top-Begegnungen im Zentralstadion austrug. Einige gute Partien waren dennoch dabei, so zum Beispiel

  • 1966 das IF - CUP-Endspiel gegen IFK Norköpping vor 20.000 Zuschauern
  • 1967 IF-Cup gegen Hannover 96 vor 35.000 Zuschauern
  • 31. Mai 1970 gegen Wismut Gera, das vor 30.000 Zuschauern den Wiederaufstieg in die DDR-Oberliga und damit den absoluten Zuschauerrekord in der DDR Liga bedeutete
  • 3. September 1977 Oberliga-Spiel gegen Dynamo Dresden vor 32.000 Zuschauern
  • 1983 Europapokalspiele gegen Girondins Bordeaux oder Werder Bremen vor (offiziell) ca. 25.000 Zuschauern

Ab Anfang 1992 sperrte der DFB aus Sicherheitsgründen das Bruno-Plache-Stadion für Spiele der 2. Bundesliga. Deshalb fanden die Spiele des 1991 wieder gegründeten VfB Leipzig im Zentralstadion statt.

Ab der Saison 1995 wurden die Sicherheitsmängel beseitigt und u.a. 1997 eine Flutlichtanlage eingebaut. Der VfB spielte von 1995/96 bis zu seiner Auflösung 2004 wieder in Probstheida. Es gab Pläne, das Stadion in ein reines Fußballstadion umzubauen, die schwachen Finanzen des VfB haben dieses Vorhaben nicht zugelassen.

Seit 2004 trägt der neu gegründete 1. FC Lokomotive Leipzig seine Spiele hier aus. Die Heimspiele in der 3. Kreisklasse 2004/05 besuchten durchschnittlich 3.000 Zuschauer, was für diese Spielklasse einmalig in der Geschichte des deutschen Fußball ist. In einem Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC war das Stadion am 23. Mai 2005 seit langem wieder fast ausverkauft (13.098 Zuschauer).

Seit der ersten Insolvenz des VfB 1999 ist das Stadion wieder im Besitz der Stadt Leipzig.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bruno-Plache-Stadion)

Das Stadion als Spielort für die BSG Chemie Leipzig:

Am 26.08.1951 gab es mit über 60.000 Zuschauern den Nachkriegszuschauerrekord beim Freundschaftsspiel Chemie Leipzig - Hamburger SV (2:2). Tausende Zuschauer standen dabei im Innenraum. Den Torrekord im Bruno erzielte Rudi Krause (Chemie Leipzig). In der Saison 53/54 schoß er im Oberliga-Punktspiel Chemie Leipzig - Stahl Thale alle 6 Tore beim 6:3-Sieg. Allerdings wurden Chemie später am grünen Tisch die Punkte aberkannt, weil Chemie zu diesem Spiel wegen einer Buspanne verspätet eintraf (man zog sich damals in Leutzsch um).

1952 beschließt die Kasernierte Volkspolizei, in Leipzig eine starke Oberliga-Mannschaft aufzubauen. Grundlage soll die Leutzscher Mannschaft bilden. Schließlich war Chemie 1951 gerade deutscher Meister geworden. Und so werden im Dezember 1952 6 Spieler von Chemie zu Vorwärts Leipzig abgeworben. Die Leipziger Fußball-Fans sind empört. Chemie sucht in unteren Ligen Ersatz, um eine oberligataugliche Mannschaft zusammen zu bekommen. Und das Leipziger Publikum unterstützt seine Chemie. Wegen des gewaltigen Zuschauerzuspruchs muß Chemie in ein größeres Stadion ausweichen. Man wechselt ins, natürlich, Bruno-Plache-Stadion, welches nun für mehrere Jahre die Heimat der BSG Chemie Leipzig wird. Im ersten Oberliga-Heimspiel nach dem Abzug der Chemie-Spieler trifft Chemie im BPS ausgerechnet auf Vorwärts Leipzig. Trotz Schneesturms kommen 30.000 Zuschauer und pfeifen die Armeemannschaft gnadenlos aus und feuern frenetisch Chemie an.

30.000 bis 40.000 Zuschauer sind in den folgenden "Heimspielen" im BPS keine Seltenheit. Am Ende der Saison 52/53 belegt Chemie einen glänzenden 8.Platz. Die Leutzscher Legende ist geboren.
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